Bava Metzia 222

Kapitel 222

א מאחיך פרט לאחרים גרך זה גר צדק בשעריך זה אוכל נבילות
1 <i>Von deinen</i> <i>Brüdern</i>, ausgenommen sind Fremde; <i>deinem Fremdling</i>, das ist der Proselyt; <i>in deinen Toren</i>, das ist ein Proselyt, der Aasißt.
ב אין לי אלא שכר אדם מנין לרבות בהמה וכלים ת"ל בארצך כל שבארצך וכולן עוברים בכל השמות הללו
2 Ich weiß dies nur vom Lohne für Menschen, woher wissen wir, auch den Lohn für Vieh und Geräte einzubegreifen? Es heißt: <i>in deinem Lande</i>, alles, was sich in deinem Lande befindet. Wegen dieser aller übertritt man all dieseVerbote.
ג מכאן אמרו אחד שכר אדם ואחד שכר בהמה ואחד שכר כלים יש בו משום ביומו תתן שכרו ויש בהן משום בל תלין פעולת שכיר רבי יוסי ברבי יהודה אומר גר תושב יש בו משום ביומו תתן שכרו ואין בו משום לא תלין בהמה וכלים אין בהן אלא משום בל תעשק בלבד
3 Hieraus folgerten sie, sowohl vom Lohne für einen Menschen als auch vom Lohne für Vieh und Geräte gelten [die Vorschriften]: <i>am selben Tage sollst du ihm seinen Lohn geben</i>, und: <i>du sollst den Lohn eines Mietlings nicht übernachten lassen</i>. R. Jose b. R. Jehuda sagt, bei einem Beisaßproselyten gelte [die Vorschrift]: <i>am selben Tage sollst du ihm seinen Lohn geben</i>, nicht aber [die Vorschrift]: <i>du sollst nicht übernachten lassen</i>, und bei Vieh und Geräten gelte nur [die Vorschrift]: <i>du sollst nicht vorenthalten</i>.
ד מני אי תנא קמא דמאחיך קשיא גר תושב אי רבי יוסי קשיא בהמה וכלים
4 Wessen Ansicht nun: wenn die des ersten Autors, der [die Worte] <i>von deinen Brüdern</i> auslegt, so besteht ja ein Widerspruch hinsichtlich des Beisaßproselyten, und wenn die des R. Jose, so besteht ja ein Widerspruch hinsichtlich Vieh und Geräte!?
ה אמר רבא האי תנא תנא דבי ר' ישמעאל הוא דתנא דבי ר' ישמעאל אחד שכר אדם ואחד שכר בהמה ואחד שכר כלים יש בו משום ביומו תתן שכרו ומשום לא תלין גר תושב יש בו משום ביומו תתן שכרו ואין בו משום בל תלין
5 Raba erwiderte: Hier ist die Ansicht des Autors aus der Schule R. Jišma͑éls vertreten, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Sowohl vom Lohne für einen Menschen als auch vom Lohne für Vieh und für Geräte gelten [die Vorschriften]: <i>am selben Tage sollst du ihm seinen Lohn geben</i>, und: <i>du sollst nicht übernachten lassen</i>; bei einem Beisaßproselyten gilt nur [die Vorschrift:] <i>am selben Tage sollst du ihm seinen Lohn geben</i>, nicht aber [die Vorschrift]: <i>du sollst nicht übernachten lassen</i>. —
ו מ"ט דת"ק דמאחיך גמר שכיר שכיר ורבי יוסי ברבי יהודה לא גמר שכיר שכיר
6 Was ist der Grund des ersten Autors, der [die Worte] <i>von deinen Brüdern</i> auslegt? — Er folgert dies aus [dem Worte] <i>Mietling</i>. R. Jose b. R. Jehuda aber folgert nichts aus [dem Worte] <i>Mietling</i>. —
ז נהי דלא גמר שכיר שכיר בהמה וכלים משום ביומו תתן שכרו נמי ניחייב תני רבי חנניא אמר קרא ולא תבא עליו השמש כי עני הוא מי שהן באין לידי עניות ועשירות יצאו בהמה וכלים שאינן באין לידי עניות ועשירות
7 Zugegeben, daß er aus [dem Worte] <i>Mietling</i> nichts folgert, aber auch bei Vieh und Geräten sollte man doch schuldig sein wegen [der Vorschrift]: <i>am selben Tage sollst du ihm seinen Lohn</i><i>geben</i>!? — R. Ḥananja lehrte: Die Schrift sagt:<i>bevor die Sonne untergeht, denn er ist arm;</i> nur wer zu Armut und zu Reichtum gelangenkann, ausgenommen sind Vieh und Geräte, die nicht zu Armut und Reichtum gelangen können. —
ח ות"ק האי כי עני הוא מאי עביד ליה ההוא מיבעי להקדים עני לעשיר ורבי יוסי ברבי יהודה ההוא מלא תעשק שכיר עני ואביון נפקא
8 Wofür verwendet der erste Autor [die Worte] <i>denn er ist arm</i>!? — Hieraus folgert er, daß ein Armer einem Reichen vorgehe. — Und R. Jose h. R. Jehuda!? — Dies geht hervor aus [dem Schriftverse]: <i>du sollst nicht vorenthalten den Lohn eines Armen und Bedürftigen</i>. —
ט ות"ק חד להקדים עני לעשיר וחד להקדים עני לאביון
9 Und der erste Autor!? — Aus dem einen [Schriftverse] ist zu entnehmen, daß ein Armer einem Reichen vorgehe, und aus dem anderen ist zu entnehmen, daß ein Armer einem Bedürftigenvorgehe.
י וצריכא דאי אשמעינן אביון משום דלא כסיף למתבעיה אבל עשיר דכסיף למתבעיה אימא לא ואי אשמעינן עשיר משום דלא צריך ליה אבל אביון דצריך ליה אימא לא צריכא
10 Und beides ist nötig. Würde er es nur vom Bedürftigen gelehrthaben, so könnte man glauben, weil er zu mahnen sich nicht schämt, nicht aber gelte dies von einem Reichen, der zu mahnen sich schämt. Und würde er es nur von einem Reichen gelehrt haben, so könnte man glauben, weil er es nicht braucht, nicht aber gelte dies von einem Bedürftigen, der es braucht. Daher ist beides nötig. —
יא ותנא דידן מה נפשך אי יליף שכיר שכיר אפילו גר תושב נמי אי לא יליף שכיר שכיר בהמה וכלים מנא ליה
11 Welcher Ansicht ist unser Autor: legt er [das Wort] <i>Mietling</i>aus, so sollte dies doch auch von einem Beisaßproselyten gelten, und legt er [das Wort] <i>Mietling</i> nicht aus, woher entnimmt er dieshinsichtlich Vieh und Geräte!? —
יב לעולם לא יליף שכיר שכיר ושאני התם דאמר קרא ולא תלין פעולת שכיר אתך עד בקר כל שפעולתו אתך אי הכי אפילו גר תושב נמי אמר קרא רעך רעך ולא גר תושב
12 Tatsächlich legt er [das Wort] <i>Mietling</i> nicht aus, nur verhält es sich bei diesen anders; die Schrift sagt: <i>du sollst den Lohn eines Mietlings bei dir nicht bis zum Morgen übernachten lassen</i>, eines jeden, der seinen Arbeitslohn bei dirhat. — Demnach sollte dies doch auch von einem Beisaßproselyten gelten!? — Die Schrift sagt: <i>deines Genossen</i>, deines Genossen, nicht aber eines Beisaßproselyten. —
יג אי הכי אפילו בהמה וכלים נמי הא כתיב אתך מה ראית לרבות בהמה וכלים ולהוציא גר תושב מסתברא בהמה וכלים הוה ליה לרבות שכן ישנן בכלל ממון רעך גר תושב אינו בכלל ממון רעך
13 Sollte dies auch von Vieh und Geräten gelten!? — Es heißt: <i>bei dir</i>. — Was veranlaßt dich, Vieh und Geräte einzuschließen und einen Beisaßproselyten auszuschließen? — Es ist einleuchtend, daß Vieh und Geräte einzuschließen sind, denn sie sind im Vermögen deines Genossen einbegriffen, dagegen ist der Beisaßproselyt nicht im Vermögen deines Genossen einbegriffen.
יד ות"ק דמאחיך האי רעך מאי עבדי ליה ההוא מיבעי ליה לכדתניא רעך ולא עמלקי עמלקי מאחיך נפקא
14 Wofür verwenden der erste Autor, der [die Worte] <i>von deinen Brüdern</i> auslegt, und R. Jose b. R. Jehuda [das Wort] <i>deines Genossen</i>? — Dieses verwenden sie für folgende Lehre: <i>Deines Genossen</i>, nicht aber eines Nichtjuden. — Hinsichtlich eines Nichtjuden ist dies ja aus [den Worten] <i>von deinen Brüdern</i> zu folgern!? —
טו חד למשרא עושקו וחד למשרא גזלו וצריכי דאי אשמעינן גזלו משום דלא טרח ביה אבל עושקו דטרח גביה אימא לא ואי אשמעינן עושקו משום דלא אתא לידיה אבל גזלו דאתא לידיה אימא לא צריכא
15 Das eine deutet darauf, daß das ihm Vorenthalteneerlaubt ist, und das andere deutet darauf, daß das ihm Geraubteerlaubt ist; er ist der Ansicht, die Beraubung eines Nichtjuden sei erlaubt. Und beides ist nötig. Würde er es nur vom Geraubten gelehrt haben, so könnte man glauben, weil er sich dabeinicht abgemüht hat, nicht aber gilt dies vom Vorenthaltenen, wobei er sich abgemüht hat. Und würde er es nur vom Vorenthaltenen gelehrt haben, so könnte man glauben, weil es noch nicht in seinen Besitz gekommen ist, nicht aber gilt dies vom Geraubten, das bereits in seinem Besitze war. Daher ist beides nötig. —
טז ורבי יוסי ברבי יהודה האי לא תלין פעולת שכיר אתך עד בקר מאי עביד ליה מיבעיא ליה לכדרב אסי דאמר רב אסי אפילו לא שכרו אלא לבצור לו אשכול אחד של ענבים עובר משום בל תלין
16 Wofür verwendet R. Jose b. R. Jehuda [den Schriftvers:] <i>du sollst den Lohn eines Mietlings bei dir nicht bis zum Morgen übernachten lassen</i>!? — Diesen verwendet er für eine Lehre R. Asis, denn R. Asi sagte: Selbst wenn er ihn gemietet hat, nur eine Rebe zu winzern, übertrete er das Verbot: <i>du sollst nicht übernachten lassen</i>. —
יז ואידך מואליו הוא נושא את נפשו נפקא דבר המוסר נפשו עליו
17 Und jener!? — Dies geht hervor aus: <i>denn darnach verlangt seine Seele</i>; das, wofür er seine Seele eingesetzthat. —